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Die einzelnen Themen zum Dobbenviertel
Das Dobbenviertel in OldenburgUm einen Überblick vom Dobbenviertel (Dobben
= sumpfige Wiesen) zu erhalten, wird hier aus den Begründungen zu den
Bebauungsplänen M - 390 A bis M - 390 C zitiert: Das Viertel wird begrenzt vom
Theaterwall im Osten, Gartenstraße / Eversten Holz im Süden, Prinzessinweg im
Westen, Ofener Straße im Norden. Gegliedert wird das Gebiet durch den
Straßenzug Lindenallee / Meinardusstraße in einen östlichen und einen
westlichen Bereich. Der östliche Teil wurde von 1866 bis etwa 1880 bebaut und
stellt das "klassische" Dobbenviertel im Sinne der Denkmalpflege dar.
Der westliche Teil wurde seit 1900 erschlossen und bebaut. Dem Bereich östlich der
Lindenallee lag der sogenannte Dobbenvertrag aus dem Jahre 1875 zugrunde, die
"Vereinbarung zwischen dem Stadtmagistrate zu Oldenburg und den
Bauunternehmern Frühstück und Oltmanns betreffend Bebauung der Wiesenfläche,
genannt 'Die Dobben'." Die wesentlichen Bestimmungen forderten u. a. ein
einheitliches Straßennetz, Vorgärten und die Einhaltung einer Baulinie. Kennzeichnend für die
Aufteilung des Dobbenviertels ist weiter die schmale und in die Tiefe gehende
Grundstücksparzellierung. Diese Einschränkungen führten zu einer Bebauung mit
3- bis 4-achsigen giebelständigen Häusern mit ausgebautem Drempelgeschoss. Die
aneinandergereihten Häuser jeweils mit schmalem Bauwich (Abstand der Häuser zur
Grundstücksgrenze zum Nachbarhaus) sind durch kleine zaunumfriedete Vorgärten
von den Straßen getrennt und mit unterschiedlich ausgebildeten Schaufassaden
geziert. In den 60er und 70er Jahren
des vorigen Jahrhunderts war im Haareneschviertel das sogenannte Oldenburger
Giebelhaus entstanden. Es ist vom Fassadenschmuck her zunächst noch sehr
zurückhaltend und in seiner Symmetrie und den sparsamen fassadengliedernden
Elementen, wie Fensterwandungen, Fensterverdachungen und umlaufenden
Geschossgesimsen, bis auf das steile Giebeldach als ein vom Klassizismus
geprägtes Haus zu definieren. Der Frühtyp des Oldenburger Giebelhauses mit
seitlichem Eingang, bedingt durch finanzielle Verhältnisse und hydrographische
Gegebenheiten mit oder ohne Souterraingeschoss und Drempelgeschoss, findet
seine Weiterentwicklung in dem als Spättyp bezeichneten Giebelhaus. Dieses
unterscheidet sich insofern von dem Frühtyp, als es nun straßenseitig
Altanvorbauten und längsseitig einen zurückgesetzten Erschließungstrakt erhält.
Der Fassadendekor wird weitaus differenzierter angewandt und oftmals mit
reichem plastischem Figurenschmuck versehen. Dieser bewährte Haustyp bot
sich aufgrund seiner optimalen Wohnflächenausnutzung für die schmale und tiefe
Grundstücksparzellierung des Dobbenviertels geradezu an und säumt somit in
großer Anzahl ganze Straßenzüge. Die Individualität des Hauses wurde durch
stets unterschiedlich ausgebildete Schaufassaden erreicht. Die ehemals sparsame
Verwendung von Zierformen, die den ausgewogenen klassizistischen Baukörper
begleiten und in Form von Friesen, Gesimsen und Fensterverdachungen zur
ablesbaren Horizontalgliederung des Baukörpers beitrugen, ist nicht mehr zu
spüren. Die größere Plastizität der Fassaden, im Gegensatz zur Flachheit der
klassizistischen Außenwand stehend, kam dem auf einem zunehmenden Wohlstand
begründeten Selbstbewusstsein des aufstrebenden Bürgertums entgegen. Aus den
ständigen Wiederholungen dieser Gebäude, variiert durch Dekor, Vorbauten,
zurückversetzte Eingansbereiche, vorgelagerte Altane, zaunumfriedete Gärten und
nachträglich aufgebaute Wintergärten in glasüberdachter schmiedeeiserner
Konstruktion, erwachsen die prägenden Gestaltungselemente des Dobbenviertels.
An prädestinierten Stellen jedoch, an Straßeneinmündungen oder auf
repräsentativen Grundstücken wird die Addition der bescheideneren Giebelhäuser
durch herrschaftliche herausragende Bauten abgelöst. Um die Jahrhundertwende ist
ein gewisser Traditionsbruch im Bauwesen zu verzeichnen. Damit wird das Ende
einer kontinuierlichen Bautradition und Gründerzeitarchitektur signalisiert,
die in dieser Geschlossenheit ihresgleichen sucht. Das östliche oder historische
Dobbenviertel wurde damals geplant und gebaut als reines Wohnviertel. "Das
Dobbenviertel ist in der Ausprägung seiner Architektur in der Konzeption seiner
stadtplanerischen Anlage und nicht zuletzt hinsichtlich der den Stadtbereich
formenden Persönlichkeiten, der Bauherren, der Unternehmer ein typisch
gründerzeitliches Viertel." (Hermann Braun / Michael Neumann: "Die
Oldenburger Neustadtquartiere Dobben und Haarenesch") Um die Jahrhundertwende
zeichnet sich in bezug auf die Entwicklung des historischen Dobbenviertels das
Ende der historisierenden Bautradition ab. Zwar ist die Bebauung westlich der
Lindenallee, am Haarenufer und südlich der Tirpitzstraße noch auf den Dobbenvertrag
zurückzuführen, sie wurde jedoch später durchgeführt. Die Architekturformen
weisen nicht mehr die im östlichen Teil vorhandene Einheit auf. Zu diesem
Bereich gehören das Oldenburgische Staatsministerium und der Landtag des
Großherzogtums. Die heute von der Bezirksregierung Weser-Ems genutzten
Großbauten, vom Architekten Prof. Bonatz entworfen und erbaut in den Jahren
1912-17 als Ergebnis eines 1908 durchgeführten Architektenwettbewerbs, wurden
bewusst dem Maßstab des alten Dobbenviertels gegenübergestellt. p.s. Die Anregung zu dieser Internetseite erhielt ich durch den Hinweis auf http://www.rauhehorst.de
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